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Vom Beruf zur Berufung

Franz Grabmayr beginnt nun eine Art Doppelleben zu führen: Vormittag Schule, nachmittag Akademie. Immer mehr zieht ihn die Kunst in ihren Bann. Malen, malen, malen, vor allem in den Schulferien.

Grabmayr: "Um 8 hab' ich meinen Mantel in der Schule aufgehängt und hab' mich immer schon gefreut, wenn ich ihn um halb eins wieder herunter nehm' und in die Akademie fahren kann. Das Erste war: In die Mensa einen Kaffee trinken... Ich hab' damals sehr schöne Sommermonate gehabt. Und dann war's eben so: Ich hab' natürlich auch immer Cézanne studiert, für den geistigen Weg. Das hat mich eben so stark gemacht, dass ich mir wirklich gesagt hab: Ich werd' im Sommer malen wie ein Gott. Damals hat mir Cézanne schon sehr geholfen, in der geistigen Auffassung bei der Verwandlung der Natur in die Malerei. Ich hab immer gesagt: Ein Bild ist eine geistige Dimension an der Wand. Um das geht's, das andere muss man eh alles haben.

Dann kam im Sommer 1961 die erste Ausstellung in Spittal an der Drau, im Schloss Porcia, zusammen mit dem Kärntner Bildhauer Otto Eder und dem Maler Gerald Schmid. Obwohl in Grabmayrs späteren Arbeiten so viel "Plastisches" steckt, denkt er nie daran, selbst Bildhauer zu werden. Er versucht es zwar einmal an der Akademie, aber es reizt ihn nicht, "weil da keine Farbe dabei ist".

1962 hängt Grabmayr den Lehrberuf an den Nagel und beschließt, nur noch als freischaffender Künstler zu arbeiten. Für einen Durchschnittsbürger ein riskanter Schritt. Für ihn mehr als eine Befreiung. Seine Frau Ingrid: "Er konnte gar nicht anders. Er musste es tun!"

Grabmayr über diese Entwicklungsphase: "Alle Kollegen haben damals gesagt das täten sie nie. Die haben eben meine Kraft nicht gespürt, die ich gehabt hab', für die Kunst. Ich hab' gespürt, es könnte gehen mit der Malerei. Die schöpferischen Kräfte in mir, auch der geistige Weg waren so stark, dass das Materielle für mich nicht mehr so wichtig war. Wichtig war für mich, dass ich g'spürt hab, dass die Kunst, die Malerei und der geistige Weg einen Sinn haben für mich, dass das so stark ist, dass ich das machen kann. Cézanne hat mir dabei schon sehr geholfen und auch Tizian. Ich war sehr viel in den Museen, war sehr viel unterwegs in Europa, Auto stopp, und hab' mir das alles angeschaut... 1956 war ich in Paris, im Louvre, anschließend in London und Amsterdam. Da war eine große Rembrandt-Ausstellung. Wegen der hab' ich mich eigentlich auf den Weg gemacht. Das war zum 350. Geburtstag von Rembrandt."

In Paris, im Großen Saal des Louvre, lernt er seine Frau Ingrid kennen. Im Februar 1957 wird geheiratet. Am 22. November dieses Jahres kommt ihr erster Sohn, Thomas, auf die Welt, Franz Grabmayr beginnt Malerei wissenschaftlich und professionell zu studieren. Mit der Lupe geht er in die Albertina um die Rembrandt-Radierungen zu betrachten. Der expressionistische Maler Herbert Boeckl, Kärntner wie Grabmayr, damals Rektor der Akademie, drängt ihn, sein Diplom machen. Von den damals führenden Malern Österreichs beeinflussen ihn nicht nur Boeckls Arbeiten.

Grabmayr: "Natürlich hab ich mir Boeckl-Bilder angeschaut, in den Museen. In der Österreichischen Galerie war ein ganzer Raum. Boeckl hat ja auch Cézanne studiert. Im Boeckl ist ja auch der Cézanne drinnen. Ich fühle mich ihm verwandt. Auch dem Kokoschka. Der Boeckl ist etwas anders. Der Boeckl ist etwas sensibler in seiner Malerei, auch wenn er sehr pastos arbeitet. Aber er ist nicht so expressiv wie der Kokoschka. Der Boeckl war immer etwas zögernd. Sehr viel Empfindung. Dagegen der Kokoschka war der Radikale. Der frühe Kokoschka, mit seinen "Träumenden Knaben ist auch sehr sensibel. Später, vor allem in Dresden, ist er sehr brutal geworden. Von Boeckl geht's dann weiter zum Cézanne und vom Cézanne weiter zu Delacroix und vom Delacroix zu Rubens, von Rubens zu den Venezianern."
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